Anatomin's Wege zur esoterischen Erleuchtung im Netz

Wer Drogen nimmt braucht keine Engel?

Posted in Uncategorized by anatomin on 21. September 2009

Und noch ein Nachtrag zu meinen letzten beiden Artikeln (hier und hier) über Garri Rober:

So scheint Garri Rober ein ängstlicher Mensch zu sein – wenn man denn seinem Guru Samuel Widmer glauben darf. So zitiert das Schweizer Boulevard-Medium „Blick“ den „umstrittenen Solothurner Psychiater Samuel Widmer (60), der freie Liebe propagiert und praktiziert„, zum Thema Garri Rober: „«Ja, er war bei uns im Seminar», sagt Widmer über Garik R. «Er hat bei uns vor etwa acht Jahren eine Ausbildung für Dekonditionierung, Mindfeeling und Energiearbeit gemacht.» Und weiter: „Widmer blieb mit R. in Kontakt. «Ich mochte ihn, er ist ein zurückhaltender, ängstlicher Typ. Er war dabei, ein Meditationsseminar für uns zu organisieren.»

Das tönt so, als ob da nichts weiter lief.

Doch Widmer steht auch hinter der Homepage des „WorldWide Magic Movement“. Ein gewisser „Kirag“ schrieb dort am 14. November 2008 einen ellenlangen Beitrag unter dem Titel „Was ist psycholytische Psychotherapie?“ Am Ende salbadert „Kirag“:

„In unserer Praxis stehen eine Menge Literatur und auch Videos zum Ausleihen zur Verfügung. Diese können, wie wir finden, zum objektiveren und differenzierteren Betrachten der psycholytischen PT beitragen. Besonders gern empfehlen wir das Buch von Samuel Widmer, bei dem wir in dieser Therapieform ausgebildet wurden, „Ins Herz der Dinge lauschen“, das ebenfalls von uns ausgeliehen werden kann. Nun wünsche ich Dir noch eine fruchtbare Zeit mit Nachsinnen und Nachfühlen.“

Das tönt, angesichts der Todesfälle in Berlin, nur noch zynisch. Denn „Kirag“ ist niemand anders als Garri Rober.

Es war also mehr als nur eine Ausbildung, die ein paar Jahre zurückliegt. Und mehr als nur das Organisieren eines Anlasses in der Zukunft. Denn Garri Rober hat sich, nachdem sein Artikel auf Widmers Seite gepostet wurde, dort auch im Diskussionsforum angemeldet. Zwar ohne je einen nennenswerten Beitrag geschrieben zu haben. Aber das war offensichtlich auch nicht mehr nötig.

Bevor sein Elaborat von Widmers Seite verschwindet, möchte ich es hier integral zur Dokumentation wiedergeben. Denn solcher Schwachsinn hat schliesslich dazu geführt, dass Menschen ihr Leben lassen mussten:

Liebe Freunde, Patienten, Interessenten,

im Folgenden möchte ich Dir das Essentielle über die Psychotherapie (PT) und insbesondere über die psycholytische Psychotherapie, so wie ich diese sehe, verstehe und erfahren habe, beschreiben.

PT ist für mich ein Teil des Selbsterkenntnisprozesses. Je bewusster ich mir über die Ursachen und Folgen meiner Gedanken, Gefühle und Handlungen bin, um so mehr Möglichkeiten habe ich, mein Verhalten, also mein ganzes Leben so zu gestalten, dass ich ein zufriedenes, erfülltes, sinn- und liebevolles Leben führen kann. Ein Leben, in dem ich meinen Platz als Mann oder Frau, als Mutter oder Vater, als Kind, als Mensch, als ein Teil der Natur, ein Teil des Ganzen erkenne und diesem (immer wieder) zustimme.
Therapie und Selbsterkenntnis dienen dazu, zu erkennen, wie ich mich – man kann auch sagen, wie mein ICH sich – durch bestimmte Denk- und Verhaltensmuster dem eigentlichen Glück und der Liebe in den Weg stelle(t). Diese kindlichen, uns krank machenden Denk- und Verhaltensweisen sind Folgen der Konditionierungen. Zum einen sind wir durch das Verhalten und die Denk- und Sichtweisen unserer Eltern bzw. wichtiger Bezugspersonen (Lehrer, Stiefeltern, Pfarrer usw.), bereits in der Kindheit wesentlich geprägt worden. Zum anderen tragen wir in uns die Konditionierungen/Prägungen/Muster, die sich in der Menschheit bereits seit Jahrhunderten und Jahrtausenden manifestiert haben. Dazu gehört z.B. das unangemessen aggressive Verhalten der Kinder, obwohl diese in friedlicher Umgebung aufwachsen, dazu gehört die Eifersucht, deren Kern das Besitzdenken bildet, dazu gehören auch so genannte übernommene Gefühle. Das sind Gefühle, die wir in uns tragen und die unser Leben ganz wesentlich bestimmen, obwohl sie eigentlich nicht unsere eigenen sind, sondern zu unseren Vorfahren gehören. Gefühle, die damals – noch lange vor unserer Geburt – durch Schicksalsschläge ausgelöst, aber nicht gesehen, gehalten und angemessen ausgedrückt wurden. All die Gefühle und Verhaltensweisen, wo wir den Eindruck haben „das bin ich eigentlich nicht“, können tatsächlich übernommen sein. Ganz konkrete Auseinandersetzung mit der Art und Weise wie wir leben, und wie wir mit Konflikten umgehen, ist PT. Ein tiefes Sehen und Verstehen, wie ich funktioniere, wie mein ICH funktioniert und was es ist, ist PT. Aber vor allem ist PT Arbeit an sich selbst und der Veränderung (Dekonditionierung) der eigenen Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen. Kern der PT ist die Befreiung durch Übernahme der Verantwortung für alles, was sich in meinem Leben ereignet.
Es gibt genug Informationen über verschiedene Therapieformen, mit denen die meisten Psychotherapeuten arbeiten (im Internet oder in den Büchern). Doch es gibt sehr wenig objektive, auf Erfahrungen beruhende und wissenschaftlich begründete Informationen über die psycholytische PT.
Der Begriff psycholytisch steht für: psychische Blockaden auflösend. Mit der Psyche ist genau das ICH gemeint, das, wie oben beschrieben, aus Konditionierungen, Mustern, Prägungen besteht, die wir unbewusst, mehr oder weniger freiwillig, übernommen haben, und mit denen wir uns das Leben und anderen schwer machen. Die eigentliche auflösende und heilende Kraft in diesem Prozess, ist die Selbsterkenntnis: das unverfälschte Sehen von dem wie ICH bin (wie ICH ist) und wie die Welt wirklich ist. Um den Selbsterkenntnisprozess zu vertiefen, bedient sich die psycholytische PT der Hilfe verschiedener chemischer, pflanzlicher und tierischer Substanzen, die ihre Hauptwirkung im ZNS, also im Gehirn, entfalten. Man spricht auch von Drogen, Medikamenten, Sakramenten oder von bewusstseinerweiternden Mitteln. An dem Wort „Droge“ kann man übrigens sehr schön sehen, wie unsere Konditionierung funktioniert. Sobald man dieses Wort ausspricht, führt es bei fast allen Menschen zu folgenden automatischen (weil von außen konditionierten) Reaktionen:

* im Denken assoziiert man gleich: gefährlich, Sucht erzeugend, zerstörend, Kontrolle verlierend, asozial u.ä.;
* im Fühlen entstehen Unsicherheit oder Angst, Enge und damit einhergehend eine psychische Abwehrhaltung;
* körperlich wirkt sich das als Anspannung, Anhalten des Atems und unsicherem bis misstrauischem Blick aus.

So ist die Reaktion, die man als Therapeut in der Regel beobachten kann, wenn man das Thema anspricht. Zurück zu führen ist diese Reaktion auf zu wenig objektive und zu wenig differenzierte Information. Es ist übrigens ähnlich mit dem Begriff „PT“. Viele Menschen sind so konditioniert, dass dieser Begriff Gedanken und Gefühle wie: “es ist etwas für Verrückte, ich brauche das bestimmt nicht, Psychotherapeuten haben selber nicht alle Tassen im Schrank, das Reden hilft doch sowieso nicht usw.“ auslöst. Auch darüber haben die Menschen zu wenig objektive Informationen.
Aber zurück zur psycholytischen PT. Man kann sagen, dass sich die Menschheit dieser Methode auf allen Kontinenten bereits seit Jahrtausenden bedient. Schamanen, Heiler, Medizinmänner und -frauen setzen zur Heilung psychoaktiv wirkende Substanzen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs ein. In den letzten 20 bis 40 Jahren wurde nach und nach der Besitz und Gebrauch von bestimmten Pilzen, Pflanzen und chemischen Verbindungen wie LSD oder MDMA (Extasy) verboten. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass das Verbot nicht aus medizinisch-gesundheitlichen, sondern aus politischen Gründen ausgesprochen wurde.

Wie auch immer, es wurden uns Ärzten und Psychotherapeuten einige sehr wirksame und heilbringende Medikamente durch diese Verbote aus der Hand genommen.
Allerdings wurde die psycholytische PT, die ihren Ursprung als wissenschaftlich anerkannte Therapieform in den 50er Jahren hat, an sich nicht verboten.
Es gibt nach wie vor auch nicht verbotene Mittel bzw. Medikamente, die ähnlich wie MDMA, LSD oder psychoaktive Pilze bzw. Kakteen wirken. Diese Substanzen (wie z.B. Ketamin und Ephedrin) setze ich und einige Kollegen im In- und Ausland für psycholytische PT ein. Meine Erfahrungen als Psychotherapeut (seit über 20 Jahren) und als psycholytischer Psychotherapeut (seit über 10 Jahren) zeigen, dass die von den Krankenkassen anerkannten Therapieformen (aber auch die s.g. humanistische PT wie Gestalt- und Körperarbeit, die von den Krankenkassen nicht bezahlt werden) in diesem Prozess der (Selbst-) Veränderung und neuer Lebensgestaltung immer wieder nicht tief genug führen und deshalb nicht so effektiv und erfolgreich sind. Sie geben nicht genügend alltagstaugliche Werkzeuge, um ein selbstverantwortetes – eben weit gehend unkonditioniertes – Leben zu führen. Deshalb biete ich in meiner Praxis auch die psycholytische PT an. Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen stimmen weitestgehend mit anderen PT Methoden (vor allem Körper orientierten) überein, also auch was die Suchtgefahr bzw. Abhängigkeit angeht.

Zusätzlich indiziert ist sie, wenn der klassische psychotherapeutische Prozess längere Zeit nicht weiter führt, oder wenn man den Prozess intensivieren und vertiefen möchte.

An dieser Stelle möchte ich noch mal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die psycholytische PT in Deutschland keine Krankenkassenleistung ist, und selbst bezahlt werden muss.

Konkret sieht die Behandlung so aus, dass nach Anamnese- und Kennenlernphase (ca. 2-3 Monate) die erste Sitzung mit Einsatz von psycholytischen Hilfsmitteln in einer Gruppe, oder seltener als Einzelsitzung, stattfindet. Die bei dieser Sitzung aufkommenden Einsichten, Erkenntnisse, Schwierigkeiten und Fragen brauchen genügend Integrationszeit, um im Alltag wirksam zu werden. Die folgenden Sitzungen mit psycholytischen Hilfsmitteln können (falls nötig) dann nach der Integration (Aufarbeitung) der vorangehenden alle 3-4 Monate stattfinden. Es gibt da aber keine festen Regeln, sondern man muss dies je nach Therapieverlauf und persönlicher Entwicklung ganz individuell mit dem Patienten entscheiden.
Die Gesamttherapiedauer beträgt 2-5 Jahre, so wie jede andere tiefenpsychologisch orientierte Therapieform. Sie hängt in erster Linie von dem Ausmaß der psychischen Störung, der Bereitschaft der/des Patientin/Patienten, sich auf die für sie/ihn schwierigen Gefühle und Erinnerungen einzulassen, und natürlich auch von den Erfahrungen und den Fähigkeiten des/der Therapeuten/in.

Lieber Freund, Patient, Interessierter,
mir ist natürlich bewusst, dass mit diesem Informationsblatt nicht alle Fragen in Bezug auf PT und psycholytische PT beantwortet sind. Auf diese, aber auch auf Deine Unsicherheiten und Befürchtungen können wir im Einzelgespräch näher eingehen.

Noch ein letzter Hinweis:
In unserer Praxis stehen eine Menge Literatur und auch Videos zum Ausleihen zur Verfügung. Diese können, wie wir finden, zum objektiveren und differenzierteren Betrachten der psycholytischen PT beitragen. Besonders gern empfehlen wir das Buch von Samuel Widmer, bei dem wir in dieser Therapieform ausgebildet wurden, „Ins Herz der Dinge lauschen“, das ebenfalls von uns ausgeliehen werden kann.
Nun wünsche ich Dir noch eine fruchtbare Zeit mit Nachsinnen und Nachfühlen,

alles Liebe,
November 2008
Kirag

Wie bekloppt die Leute um Widmer sein müssen, lässt sich vielleicht auch mit einem Zitat aus dem Forum belegen. Da schreibt dann eine „Ket“ folgendes Textlein, und man wundert sich, weshalb sie noch nicht in der geschlossenen Anstalt darbt:

„Psycholyse ist ja zunächst einmal ganz schlicht die Einnahme bestimmter Drogen in einer bestimmten Weise und zu einem bestimmten Zweck. Ich verstehe sie als einen Schlüssel, der den Menschen – vom Universum, der Natur, Gott oder wem oder was auch immer – geschenkt ist, um Einsicht nehmen zu können in die Tiefen des Seins. Psycholyse ist ein Schlüssel zum Tor, das den Raum ins Universelle öffnet. Und wozu dient das, Einsicht ins Universelle zu schaffen? Wofür ist das überhaupt gut? Wohl, um so viel zu verstehen, dass man ein Leben mit Sinn führen kann, versteht, was es braucht für ein gutes, glückliches Leben miteinander, danach handeln kann und das dann auch tut. Wer so weit gekommen ist, bedarf dieser Engel nicht mehr und lädt sie nur noch ein zum Feiern von Festen, die die Liebe preisen. Die Liebe steckt da drin in diesen Substanzen.“

Naja, zweifellos ein gelungener Beitrag von KET zum Engel-Boom…

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Sex and Drugs und Psycho-Knacks

Posted in Uncategorized by anatomin on 21. September 2009

Als Nachschlag zum gestrigen Artikel „Drogensekte in der Schweiz?“ bezüglich Garri Rober und seiner Frau einige zusätzliche Fakten:

Garri Rober und seine Elke Pachal sind nicht die ersten Personen, die im Zusammenhang mit dem Guru Samuel Widmer in die Negativ-Schlagzeilen rutschen. So musste etwa vor zwei Jahren Andreas Braun als Leiter des „Zentrums für Suchttherapie“ im Schweizerischen Ort Wimmis den Hut nehmen. Der Vorwurf an ihn, der es selbst ins Parlament schaffte: Er war Mitglied bei der Kirschblütengemeinschaft. Im Parlament wurde damals auch erwähnt, dass Widmer und seine Anhänger „die Gesetze betreffend Ausbeutung Abhängiger und Inzest“ verletzten. Und Hauptthema war natürlich, dass Widmer in seinen Sitzungen Drogen verabreiche.

Aber auch bei den psychiatrischen Diensten des Kantons Solothurn war Widmer ein Thema, nachdem einige Assistenzärzte als Anhänger des Gurus enttarnt wurden. Auch hier der Vorwurf, dass innerhalb der Therapien sexuelle Handlungen mit den Patientinnen stattfänden.

Seit mehr als zehn Jahren irrlichert Widmer mit seinem Gefolge durch die Medien, mal als Drogendoktor, mal als Guru, mal als Patientinnen missbrauchender Psychotherapeut. Und 1995 unternahm ein Journalist einen Selbstversuch, der vielleicht ein wenig erhellt, wie es in den Therapiesitzungen von Garri Rober zu und her ging:

„Es ist vierunddreissig Grad heiss und stickig im Gruppenraum. Die Sonne steht im Zenit, und die Atmosphäre ist spannungsgeladen. Trotz der Hitze brennen kerzen. Dreissig Frauen und Männer zwischen fünfundzwanzig und fünfzig, von freakig bis elegnt, alternativ bis bieder, hübsch und hässlich, sitzen die Wände entlang auf blauen Gummimatten im Kreis, als der silberne Becher mit der farblosen Flüssigkeit die Runde macht. Die Runde trinkt und singt dazu – ein monotones Summen, das plötzlich intensiv und melodisch wird und wieder abflacht. Zwischendurch wird der Kelch aus einem grossen Glaskrug nachgefüllt. Ein Ritual.

Im silbrigen Becher ist kein Wasser, sondern die Wunderdroge Ecstasy, die Tausende von Jugendlichen Wochenende für Wochenende an Raver-Parties einwerfen.Statt in Tablettenform is sie hier in Wasser aufgelöst.

Stunden später. Es ist schwül, und die Stimmung im Raum ist körperlicher als zuvor. Roger, Typ Buchhalter und nicht besonders selbstsicher, hält Barbara, Typ biedere Kindergärtnerin, von hinten umfangen. Ecstasy als Hemmungskiller? Werner, der die Gruppe führt, ruft sie in die Mitte des Raums und leitet die zweite Runde ein. Es geht weiter. Er verteilt LSD in Form von winzig kleinen Papierchen, die alle gut zerkauen sollen. Die dreissig Frauen und Männer bewegen sich zurück an ihre Plätze und legen sich wieder hin. Still sein, in sich hineinlauschen ist angesagt.

Ich befinde mich weder an einer spiritualistischen Veranstaltung noch an einer Sex- und Drogenparty, sondern mitten in einer psycholytischen Sitzung. Unter psycholytischer Therapie versteht man die Verabreichung von Drogen im psychotherapeutischen Proze ss. Der Sinn der Behandlungsform besteht darin, das Spiel mit den Widerständen zu verkürzen, vor allem bei psychosomatischen Patientinnen und Patienten, die sehr verschlossen sind. Denn die Drogen durchbrechen den Seelenpanzer, der die Auseinandersetzung mit dem, was war und ist, verhindert.

Werner ist kein Drogendealer und auch kein Sektenführer. Er ist Arzt.

Um hier teilzunehmen, musste ich mich in die Illegalität begeben und mit mir dreissig andere. Denn die Psychotherapie mit Psychedelika in Form von Ecstasy und LSD ist in der Schweiz seit Ende 1993 wieder verboten.

[…]

Die Körperlichkeit in der Gruppe ist permanent fühlbar. Ich realisiere sie, als Werner uns nach der Einnahme von Ecstasy nach einer längeren stillen Meditation auffordert, in der Mitte des Raumes zusammenzurücken. Bei manchen Leuten ist sie einfach da, g anz natürlich und gar nicht störend, bei anderen fällt sie mir unangenehm auf. Mein persönliches, unausgesprochenes Abgrenzungsbedürfnis wird respektiert. Die Gruppe ist sensibel.

Kurze Zeit nach der Einnahme von 120 Mikrogramm LSD spüre ich Anzeichen einer Wirkung: Die Körperwahrnehmung ist verändert, die Gefühle kommen mit aller Kraft hoch. Verletzungen von früher und heute brechen auf. Nichts Neues, aber Verdrängtes. Werner mun tert dazu auf, sich darauf einzulassen, keinen Widerstand zu leisten, die Substanz auf alle Ebenen und Energiezentren (Chakren) wirken zu lassen.

Es ist viel Schmerz, Angst und Leid da. Einige schluchzen laut. Ich realisiere dies selbst zu einem Zeitpunkt, da ich mit geschlossenen Augen zutiefst mit meinem ungeschminkten Spiegelbild beschäftigt bin. Und obwohl hier jeder seinen persönlichen Rucksa ck mitbringt, angefüllt mit den Leiden und Freuden von früher und heute, ist die Reise eine gemeinschaftliche. Werner gibt immer wieder Anleitungen und spielt Musik. Gemeinsam mit Franz, seinem Assistenten, ist er voll präsent. Beide sind da, wo Unterstü tzung benötigt wird, und ich erlebe in diesem neuen Rahmen erstaunlich grosses, umfassendes Vertrauen, das über den viertägigen Workshop hinaus anhält.

Stunden später öffne ich meine Augen wieder und blicke in die Runde. Noch bin ich damit beschäftigt, mir meine Einsichten zu merken. Ich beobachte die Gruppe. Manche sind ganz für sich, viele sehen verändert und tieftraurig aus. Der gestern so distanzier t wirkende Peter hält mit abgehobenem Blick die Hand von Inge. Pia sitzt wie erstarrt rittlings auf Rolf, und ich frage mich kurz, ob ich versehentlich in einer Tantra-Gruppe gelandet bin. Da ist echte, liebevolle zwischenmenschliche Nähe neben banaler z wischengeschlechtlicher Aufdringlichkeit. Werner und Franz sind seit Stunden präsent, provozieren, beruhigen und unterstützen. Mehr als einmal mahnt Werner: «Und wenn ihr jetzt körperliche Nähe von jemandem sucht, fragt euch gut, warum…»

Nach einer Pause beginnt die etwa einstündige Integrationsphase. Es geht darum, alle Stationen der Reise noch einmal zu durchleben, sich die tiefen Erkenntnisse zu merken. Herzzerreissende Musik, die mich an gefühlvolle Filmepen mit weiten Landschaften e rinnert, führt noch einmal von Einsicht zu Einsicht. Es ist die Phase, in der sich die Chakren langsam wieder schliessen. Hier stellt sich auch für jede und jeden die Frage, ob wir bereit und in der Lage sind, Risiko und Verantwortung für mehr Offenheit und Verletzlichkeit zu übernehmen.

Es ist zehn Uhr abends, dunkel geworden draussen, und die Gruppe landet zurück in irdischen Gefilden. Vieles sehe ich jetzt klarer und ehrlicher.

Ein gemeinsames Essen bildet den Abschluss der psycholytischen Sitzung. Die Stimmung ist eher still. Jene, die reden mögen, flüstern. Der gegenseitige Umgang ist ein behutsamer und sorgfältiger. Langsam gehen die Leute auseinander.“

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, was eine Blog-Leserin zu Manuel Schoch vor drei Monaten schon berichtete: „Mindestens einer seiner Mitarbeiter bietet auch Drogenseminare an – dabei wird Exstasy und LSD verabreicht. […] Immer wieder kommt es zu einem Missbrauch von abhängigen Patientinnen.“

Gut möglich also, dass sich die Widmer’schen Lehren, die einem Sex und Drogen unter dem Deckmantel der Therapie erlauben, doch tiefer im Eso-Kuchen verwurzelt sind als viele wahrhaben wollen. Dass dabei die Krankenkassen solchen Quatsch berappen, ist dann nur noch das Sahnehäubchen auf dem Gipfel des Zynismus.

Die Kirschbaumblütler - hier in fröhlich grinsender Selbstdarstellung - stehen schon seit Jahren unter Beschuss.

Die Kirschbaumblütler - hier in fröhlich grinsender Selbstdarstellung - stehen schon seit Jahren unter Beschuss.

Drogen-Sekte in der Schweiz?

Posted in Uncategorized by anatomin on 20. September 2009

„Psycho-Experiment mit tödlichen Drogen“ titelt der Spiegel in seiner Online-Ausgabe (Spon), und es liegt auf der Hand, dass hier die Spuren in die Esoterik-Szene führen.

Dass ich am Ende dann aber in der Schweiz landen würde, hatte ich nicht erwartet.

Aber fangen wir von Vorne an, am besten mit einem Zitat aus dem Spon: „Tödliches Experiment eines Berliner Psychotherapeuten: Seine zwölf Opfer bekamen einen teuflischen Cocktail aus verschiedenen Drogen, der ihr Bewusstsein erweitern sollte. Zwei Männer starben, ein anderer liegt im Koma. Die Polizei ermittelt wegen Mordverdachts, es wurde Haftbefehl erlassen.“

Das Bewusstsein sollte erweitert werden? Das kann nun angesichts der tragischen Umstände nur noch als zynisch empfunden werden. Aber: Woher hat der „Psychotherapeut“ seine Weisheit? Betrachten wir mal seinen Namen: „Garri Rober“, und nebenan praktiziert Elke Pachal, wie uns dieses Bild zeigt.

Das Therapeuten-Haus

Das Therapeuten-Haus

Diese beiden Ärzte hatten für das nächste Jahr mindestens zwei Veranstaltungen geplant:

  • Juni: Vortrag in Berlin; Näheres über Elke Pachal, Bertramstrasse 93, D-13467 Berlin,
    Tel: 0049´(0)30´2820634, e-mail: garik@freenet.de
  • Juni: Berlin-Seminar zum Thema: Heimat finden, Heimat schaffen, Heimat sein. Dieses Treffen findet wie immer in Finkenwerder statt.
    Anmeldung und Organisation: Garik Rober, Bertramstrasse 93, D-13467 Berlin,
    Tel: 0049´(0)30´2820634, e-mail: garik@freenet.de

    Wie immer? Das scheint ein Hinweis darauf zu sein, dass Garri Rober mit dem Anbieter des Seminars schon einige Zeit in Kontakt stand. Und hier landen wir nun in der Schweiz. Denn das Seminarangebot findet sich auf der Homepage von Samuel Widmer Nicolet, der in Lüsslingen in der Schweiz die „Therapeutisch-Tantrisch-Spirituelle Universität Nenningkofen-Lüsslingen“ betreibt. Seine Partnerin – auch beruflich – ist Danièle Nicolet Widmer, außerdem sitzt Marianne Principi mit im Boot, respektive mit in der „Praxis und Seminarhaus Hof zur Kirschblüte“.

    Aber diese „Universität“ beherbergt auch das „Fröschernhaus“, wo mit Kunst, Kultur, Ökologie und Naturerfahrung für allerlei schrägen Esoterik-Humbug geworben wird. Und hinter allem steht offensichtlich wieder Samuel Widmer, der auf seiner Homepage mit „Fakten zur Psycholytischen Psychotherapie“ aufzuwarten behauptet – also just dem Thema, das in Berlin zu den Todesopfern führte. Wie die Fakten aussehen? Nun, Widmer hat so weltbewegende Bücher wie „ecstasy – die User-Fibel“ verfasst sowie LSD und Ecstasy in seinen Psychotherapeutischen Sitzungen angewendet.

    Da fragt sich, ob die Schweizer Behörden ihm dies bewilligt haben. Falls „Ja“, dann wäre dies, gelinde gesagt, ein Skandal.

    Denn allein schon ein Blick auf die obskuren Schriften von Widmer müssten reichen, um ihn zumindest als geistig „fragwürdig“ einzustufen. Ob Bill Gates oder der Papst, ob Marcel Ospelt oder Gott: Niemand, an den er nicht einen Brief geschrieben hätte. Und wenn man die Liste seiner Bücher begutachtet, kommt man zum Schluss, dass er neben dem Therapieren wohl viel Zeit für noch mehr Unsinn zur Verfügung hat.

    Und schließlich ist er auch das Zentrum einer Sekte, die sich „Kirschblütengemeinschaft“ nennt. Sie beschreibt sich wie folgt: „Wir sind eine noch junge, kinderreiche Gemeinschaft (Gründung ca. 1996/97) von ca. 75 Erwachsenen und 60 Kindern, die sich vor allem in Nennigkofen, Lüsslingen, Solothurn und Umgebung im Schweizer Mittelland niedergelassen hat. Aber auch weiter entfernt und im Ausland befinden sich Menschen, die mit uns im Herzen verbunden sind. […] Das, was uns aber zusammengeführt hat, ist vor allem unser Interesse an der Selbsterkenntnis.

    Gut möglich, dass unser Berliner Ärztepaar also Mitglied dieser Sekte ist. Und damit wäre diese Organisation wohl auch in der Schweiz ein Fall für den Staatsanwalt.