Anatomin's Wege zur esoterischen Erleuchtung im Netz

Tänzer im Irrsinn

Posted in Uncategorized by anatomin on 23. Mai 2009

Das Leben eines Automechanikers ist, wenn es um die Dimension der Zeit geht, außerordentlich kompliziert: Würde er so viele Stunden alt wie er im Laufe des Lebens seinen Kunden verrechnet, müsste er schon mit 25 in Rente geschickt werden.

Einigen Esoterikern geht es genau so. Ein leuchtendes Beispiel hierfür ist Pascal Voggenhuber.

Ja, ich weiss: Schon wieder ein Schweizer. Aber dieses muntere Bergvölklein scheint besonders anfällig auf esoterischen Unsinn jedwelcher Art zu sein, was sich auch bei den Internetauftritten der Eso-Hallodris niederschlägt.

Zurück zu Voggenhuber: Gerne umgibt er sich mit dem Nimbus des bescheidenen Kerlchens, und wer sein Gehirn genug in den Zustand absoluter Unterkühlung versetzt hat, glaubt ihm dies offensichtlich gerne. Dass er sich aber in jede Zeitung drängte, um anzukünden, dass er mit der Leiche des braunen Jörg Haider quasseln wolle, dass er vor jede Kamera springt, die ihn vor Publikum bringt und dass er seine gequirlte Scheiße in jedes Mikrofon absondert, das man ihm hinhält – das alles wird von seinen Getreuen ganz im Sinne geistloser Unmündigkeit gerne ignoriert.

Stattdessen wird ehrfürchtig sein Lebenslauf studiert, der gespickt ist mit einer nicht enden wollenden Liste von Ausbildungen, die dem 29jährigen einen wissenschaftlichen Anstrich geben soll.

Dabei ist er nur ein weiterer Scharlatan, der im Tümpel der Esoterik nach zahlungswilligen Dummen fischt.

Voggenhuber

Aber hier ein paar Zitate aus seinem Lebenslauf:

Von 1999-2003 besuchte er die Schauspielschule in Deutschland. Dort hatte er 4 Jahre Psychologie und Philosophie.

DIE Schauspielschule. Klar, es kann nur eine geben! Nämlich eben jene, in welche Voggi ging. Dass Psychologie und Philosophie Nebenfächer in jeder seriösen Schauspielschule sind – was soll’s. Würde er dies offen legen, würde sich ja jeder noch so mittelmäßige Schauspieler zum „Leichenflüsterer“ eignen.

2002 besuchte er ein Seminar von Pamela Sommer Dickson (CH) zum Thema „Geistheilen“.

Au ja – das tönt jetzt aber ausserordentlich eindrücklich. Ein ganzes Jahr einen Kurs zum Thema Geistheilen besuchen seihst ja wohl, dass er hier zur eigentlichen medialen Quasselstrippe mutierte. Wer aber die Homepage seiner „Lehrerin“ begutachtet sieht, dass er da wohl lediglich zwei Wochenenden investierte. Aber das lässt sich der Anhängerschaft schlecht verkaufen – also stellt er es so dar, dass man es für eine einjährige Ausbildung handeln könnte.

Aber dann kam es knüppeldick – nämlich mit dem Jahr 2003. Da besuchte Voggi „ein Channeling-Seminar bei Susan Tschopp“, zudem bildete er sich zum „ganzheitlichen Auraberater“ aus, und zwar nicht irgendwo, sondern an der „Internationalen Aura Schule (D)“. Aber weil er ein so helles Köpfchen ist und man sich ja nie genug weiterbilden kann, „besuchte Pascal Voggenhuber regelmässig einen medialen Zirkel. Beim Kaleidoskop in Bern. Bei Andy Schwab (CH), Sabine Wolters (CH) und Mirjam Brack (CH)„.

Nehmen wir dieses dicht gedrängte Programm mal auseinander: Das Channeling-Seminar scheint hier noch der anstrengendste Teil der Ausbildung gewesen zu sein: Einen ganzen Tag musste der bedauernswerte Voggi investieren! Die „Internationale Aura Schule“ in Deutschland? Nun, die gibt es nicht. Aber die Auramed existiert, eine umtriebige Eso-Firma, die tatsächlich mit dem Begriff einer Auraschule operiert und für sechs Ausbildungstage sage und schreibe 820 Euro abkassiert. Immerhin sind während des Kurses die Pausensnacks inbegriffen. Hoffentlich musste Voggi hier nicht lustlos auf Möhren rum mümmeln, während er sich der Aura widmete.

Dann der mediale Zirkel beim Berner Kaleidoskop: Da nahm er, glaubt man der Kaleidoskop-Werbung, zunächst mal nur an fünf Sitzungen als Trainingspartner teil. Aber das tönt in einer Biographie nicht so toll. Bis 2008 aber ließ er sich dann im Kaleidoskop zu Bern „zum Medium, Bereich Sensitivität und Medialität ausbilden. Das war dann aber anstrengend: Zwölf Wochenendseminare, hundert Übungsstunden und eine ganze Medialitätswoche in den ersten zweieinhalb Jahren. Dann kam offensichtlich das Übungsjahr mit drei Wochenenden, einer Intensivwoche und 40 Übungsstunden, bevor man dann während eineinhalb Jahren so richtig zur Sache kam. Sechs Wochenendkurse, 60 Übungsstundenund eine lohnendwerte Medialitätswoche. Damit wären wir bei fünf Jahren angelangt.

Was er dort lernte? Offensichtlich vor allem, wie man sich selbst vermarktet. Etwa mit dem Buch „Leben in Zwei Welten – Geh Deinen Weg“, das 2004 erschien. Aber damit nicht genug: 2004 erschien ein Text von Pascal Voggenhuber im Buch „Sinn Finden spirituelle Antworten auf letzte Fragen“. Wer sich dieses Buch zu Gemüte führt versteht auch, weshalb Voggi so gerne mit der Leiche von Jörg Haider sprechen wollte. Denn ein Co-Autor von ihm war in diesem Buch Hitler-Bewunderer und Ikone aller Pädophilen, Bert Hellinger.

Aber Voggi will uns noch weiter beeindrucken. 2006 soll er seine „Ausbildung zum Wirbelrichten nach Dorn beim Wirbelteam“ hinter sich gebracht haben. Zwar findet er sich dort nirgendwo in der Liste der Dorn-Behandler. Auch will uns Voggi nicht verraten, wie weit seine Ausbildung denn ging. Hat er etwa nur den Tageskurs besucht? Oder dein eintägigen Aufbaukurs? Gar den zweitägigen Aufbaukurs?

Natürlich hat er dann noch zwei weitere Bücher geschrieben, hat sich „weitergebildet“, zockt mit seinen zwei Firmen, die er in der Schweiz registriert hat, steuergünstig seine Fans ab und behauptet, dass er ein ganz Bescheidener sei.

Wie erwähnt: Die Masche verfängt. Bis Ende Jahr ist er mit Anfragen von Leuten ausgebucht, die erhoffen, dass er Kontakt mit toten Familienangehörigen aufnehmen könne.

Nun, im besten Fall ist Voggi ein bekloppter Geisteskranker, der es nicht besser weiss. Im weniger guten Fall ist er ein ausgekochter Betrüger, der Verzweifelten die Kohle aus der Tasche zieht.

So oder so: Klopft man alle seine Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Substanz ab, bleibt erstaunlich wenig übrig.

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